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Samstag, 30. August 2014

Eine skurrile Beerdigung in Dellwig :o)

Grace, eine 65-jährige Amerikanerin, die 30 Jahre zuvor der Liebe wegen von L. A. in den Ruhrpott gezogen war, hat den Borbecker Männergarten häufiger großzügig finanziell durch Spenden unterstützt; einfach, weil ihr die Idee gefiel, dass sich drei Damen und große, männliche Kinder - also das Kind im Manne - kümmern :o). Leider verstarb Grace vollkommen überraschend an einem Herzinfarkt und da sie in der Nähe des katholischen Friedhofs St. Michael an der Haus-Horl-Straße gewohnt hatte, nämlich in einem der Reihenhäuser ziemlich am Ende der Levinstraße, wollte sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof an der Haus-Horl-Straße finden.

Grace hatte sich eine Erdbestattung gewünscht und wollte, da sie ja gebürtige Amerikanerin war, stilecht in einem American Eternal-Sarg beigesetzt werden. Zu Lebzeiten war sie Grunge-Fan gewesen, denn sie liebte Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden bzw. deren Musik über alles. In ihrer Todesanzeige in der Zeitung stand sogar ausdrücklich, dass sie wünschte, dass keiner der Trauergäste in klassischer schwarzer Trauerkleidung erscheint, sondern im Grunge-Look.

Natürlich sind auch die Männergärtnerinnen und ihre Schützlinge durch Graces plötzlichen Tod sehr betroffen und nehmen an der Beerdigung teil. Alle haben sich entsprechend im Grunge-Look gestylt, nur ES hat da offensichtlich irgendwas falsch verstanden - ES trägt sein kurzes schwarzes Haar zum Afro-Mob aufgeplustert und sieht auch sonst eher aus, als wenn ES in die Disco-Ära der 70er Jahre zurückkatapultiert worden wäre, denn ES singt auch noch ständig "Born to be alive" von Patrick Hernandez. Stinki schnaubt: "Wat is'n mit Ihnen eigentlich los?!", aber da keine Zeit mehr bleibt, ES nach Hause zu schicken, damit ES sich umziehen kann, nehmen die Männergärtnerinnen ES in seinem 70er Jahre-Look mit. Selbst in Bus und Bahn kann ES nicht aufhören, "Born to be alive" zu trällern - da nützt es auch nix, dass Stinki ES vernichtende Blicke zuwirft und der Charmin Bear leise grummelt, zumal er sich auf den Leichenschmaus ohnehin mehr freut als auf die Beerdigung an sich.

Der 186er trifft pünktlich an der Haltestelle Haus-Horl-Straße auf der Ecke Levinstraße ein. Von dort aus sind es nur gut 50 m bis zum Haupteingang des Friedhofs, doch der Charmin Bear stöhnt bereits nach wenigen Metern - wer weiß, wo sich das Grab auf dem Friedhof befindet und wie weit sie noch laufen müssen. Er seufzt erleichtert, als sie endlich das Tor des Friedhofs durchschreiten, denn so weit kann es ja jetzt nicht mehr sein. Mittlerweile sind noch einige andere Trauergäste im Grunge-Look dazu gekommen.

Die Truppe befindet sich gerade in Höhe der Friedhofsgärtnerei, die nur gut 20 m hinter dem Tor liegt, als selbiges weiter geöffnet wird, um einen Leichenwagen einzulassen. ES springt völlig unpassend zur Location auf dem asphaltierten Weg auf und ab, während ES immer noch "Born to be alive" trällert - wie passend zur bevorstehenden Beerdigung! Stinki zieht ES schnaubend zur Seite, damit der Leichenwagen ungehindert an ihnen vorbei fahren kann. Der Leichenwagenfahrer nickt zum Dank einmal mit dem Kopf und lässt allen bei seinem Anblick das Blut in den Adern gefrieren, denn der Fahrer hat eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Leichenwagenfahrer aus dem Film "Das Landhaus der toten Seelen" ("Burnt Offerings"), auch was sein maliziöses, hinterlistiges Grinsen betrifft. ES trällert endlich nicht mehr "Born to be alive", sondern plärrt stattdessen: "Mr. Dole, look at me!" Der Charmin Bear tupft sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn, während Thomas nervöse Pirouetten dreht. Thorsten grinst den Leichenwagenfahrer dämlich zurück an, genau wie Alex. Steffi macht das betretene Gesicht, genau wie der Stationsarzt, Renate schnappt erschüttert nach Luft. Stinki ist von diesem dämlichen Grinsen des Totenkutschers irritiert und ranzt: "Wat is'n mit dem eigentlich los?!"

Endlich hat der Leichenwagen direkt vor der Friedhofsgärtnerei angehalten, an die auch die Trauerhalle angrenzt. Die Truppe läuft weiter zu dem Grab, an dem die Beerdigung stattfinden soll - es liegt in einem Grabfeld direkt am Seiteneingang, der in die Grünanlage führt, die sich zwischen den Gärten der Levinstraße und Haus-Horl-Straße bis zur Kleingartenanlage am Weidkamp erstreckt. Die Trauergäste nehmen ihre Position ein, machen aber dem Priester, den Messdienern sowie den sechs Sargträgern, die den mit weißen Rosen geschmückten American Eternal-Sarg tragen, höflich Platz. Stinki tritt ES unsanft auf die Füße, als ES schon wieder mit "Born to be alive" anfängt, denn er will, dass ES mal endlich die Backen hält, während im Hintergrund der Song "Come as you are" von Nirvana läuft. Stinkis Laune hebt sich auch nicht, als sich der grinsende Leichenwagenfahrer zu der Trauergesellschaft gesellt - er ist der Einzige, der mit blödem Grinsen zwischen den ganzen Trauergästen steht. Der Charmin Bear sieht zu, einen möglichst großen Abstand von diesem unheimlichen Leichenwagenfahrer zu halten.

Noch ruht der Sarg auf Böcken, während der Priester am offenen Grab die Trauerpredigt hält. Stinki beguckt heimlich Alex, weil ihm ihr Anblick viel lieber ist als der dieses blöd grinsenden Totenkutschers. Als Alex dies bemerkt, lächelt sie ihn verhalten an und zwinkert ihm zu, sodass Stinki augenblicklich eine Hitzewelle bekommt und in die Rede des Geistlichen hinein murmelt: "Boa, is dat heiß...boa, is dat heiß hier...boa, is mir heiß!" Alex und Steffi können nur mit Mühe einen Kicheranfall unterdrücken, aber zum Glück nimmt ES ihre Aufmerksamkeit in Anspruch, denn ES trällert schon wieder leise "Born to be alive". ES kann gar nicht verstehen, als "Mr. Dole" alias Alex ES den Mund zuhält, damit mal endlich Ruhe im Karton, äh, am Grab ist. Stinki muss schadenfroh grinsen, aber als sein Blick auf den immer noch starr grinsenden Leichenwagenfahrer fällt, vergeht ihm das Grinsen doch wieder - stattdessen wechselt sein Zustand jetzt von Hitzewelle auf leichten Schüttelfrost.

Der Priester hat seine Predigt beendet, sodass der Sarg zu den Klängen von "Black hole sun" von Soundgarden ins Grab hinab gelassen werden soll. Dabei gibt's leider ein Problem: Der Bestatter hatte zwar einen echten American Eternal-Sarg bestellt, aber leider nicht darauf geachtet, dass ihm ein billiges Plagiat made in China untergejubelt worden ist. Die Folge: Der Boden des Sargs löst sich, sodass Graces Leichnam mitsamt Sargboden eher auf der Grabsole ankommt als der Sarg selbst. Alle kreischen entsetzt los, nur Alex findet das zum Glucksen, weil unfreiwillig komisch bis makaber. Der Leichenwagenfahrer grinst maliziös weiter, ein Rabe, der auf auf dem Grabstein der Nachbargruft sitzt, krächzt schadenfroh in den recht warmen Spätsommermorgen. Steffi macht das betretene Gesicht, während ES lautstark plärrt: "Mr. Dole, look at me, not at the coffin!" Sein Afro-Mob sieht mittlerweile aus, als wenn ES zusätzlich noch seine Finger in eine Steckdose gesteckt hätte, so sehr stehen ES die Haare zu Berge. Stinki ranzt mit angeekeltem Unterton: "Wat is'n mit dem Sarg eigentlich los?!" Thomas dreht nervöse Pirouetten und flüchtet durch das kleine Tor am Seiteneingang hinaus in die Grünfläche, gefolgt vom Charmin Bear. Renate flitzt hinterher - ob aus Ekel oder weil sie die beiden wieder einfangen will, weiß keiner so genau. Der Stationsarzt verlässt die Stätte des Unglücks und geht langsam mit hängenden Schultern Richtung Haupteingang des Friedhofs. Alex nimmt mit strengem Blick Stinki und Thorsten an die Hand, um mit ihnen ebenfalls zum Haupteingang zu gehen, denn sie will verhindern, dass Thorsten und/oder Stinki göbeln bzw. freche bis unpassende Bemerkungen machen. Steffi zerrt ES an der Hand hinter sich her, während am offenen Grab Tumult unter den Angehörigen ausgebrochen ist, wobei sich ihr Zorn insbesondere gegen den Bestatter richtet. Der Rabe erhebt sich immer noch vergnügt krächzend in die Lüfte, während der grinsende Leichenwagenfahrer mit immer noch breitem Grinsen Rosen ins offene Grab schmeißt, so als wenn ihn das alles nix anginge.

Am Haupteingang des Friedhofs treffen sich die Männergärtnerinnen und ihre Schützlinge wieder, denn Renate, Thomas und der Charmin Bear sind mittlerweile aus der Grünfläche zum Hauptportal zurückgekehrt. Nach dem Erlebnis hat keiner mehr so richtig Bock, am Leichenschmaus in der Gaststätte "Zur Krone" auf der Ecke Levinstraße/Haus-Horl-Straße teilzunehmen, sodass sich die Männergärtnerinnen entschließen, den nächsten Bus Richtung Borbeck zu nehmen. Dem Charmin Bear ist es sogar egal, dass sie zur Bushaltestelle sogar 65 m laufen müssen - Hauptsache, sie können diese Stätte des Unglücks schleunigst verlassen. Der Leichenwagenfahrer am offenen Grab grinst immer noch, hat aber mittlerweile keine Lust mehr, Blumen ins offene Grab zu werfen - nein, stattdessen vertilgt er die restlichen lieber.


Grabstein R. I. P. - Quelle: e-karnevalskleidung.de

Sonntag, 19. Mai 2013

Ein merkwürdiger ESC-Abend...

Gestern Abend lief ja im Ersten wieder alljährliche Eurovision Song Contest. Für Deutschland ist Cascada mit ihrer Sängerin Natalie Horler und dem Titel "Glorious" an den Start gegangen - na ja, ich hab schon schlechtere Titel gehört, aber auch schon bessere. Da hat mir unser letztjähriger Titel "Standing Still" von Roman Lob jedenfalls besser gefallen. Der dänische Beitrag hat m. E. zu Recht gewonnen, weil ganz gut. Herzlichen Glückwunscht zum Sieg in unser nördliches Nachbarland! :o)

Ich hab mir den ESC nicht angeschaut, bis auf die Punktevergabe. Um 20.15 Uhr lief ne Wiederholung von Stubbe im ZDF, denn den Tatort aus Dortmund, der im WDR wiederholt wurde, wollte ich mir nicht antun - ich hab zwar in Dortmund studiert, dort vor fast drei Jahren eine Lesung gehalten und mag auch den BVB, aber den Tatort aus Dortmund kann man vergessen.

Auf Arte lief ab 21.45 Uhr ne Dokumentation über die Disco-Welle der 70er Jahre. Auch wenn ich die damals angesagten Titel eher in meiner Kindheit miterlebt habe und einige davon noch nicht mal so schlecht fand, so sind aus der Ära bis heute viele Party-Klassiker dabei, so z. B. "YMCA" von den Village People, "Love to love you, baby" von Donna Summer oder "I will survive" von Gloria Gaynor.

Es war auch interessant zu erfahren, dass diese Disco-Bewegung auch darauf basierte, mehr Toleranz und Integration für Homosexuelle und (afroamerikanische) Frauen zu erreichen. Das Motto war in jedem Fall gut, aber leider ist gerade in Bezug auf die genannten Ziele heute wieder vieles in der Rückwärtsbewegung. Auch wenn Schwule und Lesben mittlerweile eine eingetragene Lebenspartnerschaft haben dürfen, so ist die Toleranz gegenüber Homosexuellen leider immer noch keine Selbstverständlichkeit - gerade manche fundamentalistische Katholiken (ja, es gibt nicht nur bei den Muslimen Fundamentalisten, auch wenn das gerne ausgeblendet wird von Politik und Massenmedien) erklären Homosexuelle ja nach wie vor für gestört, geisteskrank oder was auch immer. Soviel Intoleranz und Kleingeistigkeit mancher Leute ist echt nicht zu ertragen - die Homosexuellen regen sich ja auch nicht auf, wenn sie ein heterosexuelles Paar zufällig beim Küssen sehen, aber umgekehrt machen manche Heteros nen Aufriss, wenn sie sehen, wie sich ein schwules oder lesbisches Paar küsst. Manche Kleingeister können wohl mit dem Motto "Leben und leben lassen" nicht allzu viel anfangen. Schade...

Auch Frauen haben's teilweise ziemlich schwer - bei Männern reichen 25 % Leistungsfähigkeit, um als Top-Manager angesehen zu werden, bei Frauen reichen vielfach noch nicht mal 125 %, teilweise werden die Damen von manchen Leuten, die selbst nicht gerade aussehen wie der Traum schlafloser Nächte, auf ihr Aussehen reduziert und unseren Politikern wäre es doch am liebsten, wenn Frauen wieder alle an den Herd zurückkehren, denn dann hätten sie ja noch ihre Arbeitslosenstatistik weiter geschönt. Das ist auch relativ altersunabhängig - unter 25-jährige Frauen haben noch nicht genug Berufs- und Lebenserfahrung und werden deshalb von manchen Arbeitgebern abgelehnt, Frauen im gebärfähigen Alter könnten ja irgendwann mal Mutter werden, ältere Arbeitnehmerinnen kosten zuviel und haben teilweise schon Falten...echt krank, dieses System. Offenbar können Frauen es in vielen Fällen keinem Recht machen, ohne dass sie was dafür könnten.

Nach dieser interessanten Dokumentation habe ich dann die Punktevergabe beim ESC geschaut. Es ist logisch, dass der Kommentator zu Deutschland hält, aber dieses seufzende "Kann ich nicht verstehen, Natalie Horler hat so einen starken Auftritt hingelegt" und das Gemotze, dass wir von unseren Nachbarländern Österreich, Schweiz, Niederlande und Belgien gar keine Punkte bekommen haben, war schon leicht peinlich. 18 Punkte haben wir ja immerhin erzielt.

Am peinlichsten war aber der Auftritt von Lena Meyer-Landrut in Hamburg - unsere ESC-Gewinnerin von 2010 mit ihrem Trällerelsen-Titel "Satellite" - als sie die Punktvergabe durch die deutsche Jury verkündete. Dieses hysterische, alberne Gekicher und Genuschel hatte schon nix mehr mit Freundlichkeit und guter Laune zu tun, da konnte man eher den Eindruck bekommen, dass sie neben Alkohol auch noch Ecstasy und LSD gleichzeitig eingeworfen hatte. Selbst die Moderatiorin des ESC in Malmö war bei diesem albernen Gekicher und Gebrabbel schon sichtlich irritiert. Die Damen und Herren aus den anderen Ländern waren auch fröhlich und gut gelaunt, wenn sie die Punktevergabe für ihr jeweiliges Heimatland bekannt gaben, aber dieses hysterische, alberne Gegacker von Lena war echt schon mega-peinlich. Wie gut, dass ich keine Bierflasche neben mir stehen hatte, die hätte umfallen können - darüber hätte ich dann wohl wesentlich mehr gelacht als über diesen peinlichen LSD-Kicher-Hysterie-Auftritt von Lena...