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Samstag, 23. August 2014

Warum ich die alten Horrorfilme lieber mag als die heutigen

Die heutigen, modernen Horrorfilme schaue ich mir meist gar nicht mehr an, denn Splatter in jedweder Form kann ich so gar nichts abgewinnen, wie z. B. in Wrong Turn. Die älteren Stücke des Genres, die zwischen Mitte der 1960er und Ende der 1980er verfilmt wurden, zielen eher auf psychologischen Grusel ab und spielen mit den Urängsten der Menschen, z. B. vor Seelen, die nach ihrem Tod nicht zur Ruhe kommen und für allerlei Chaos und Angst unter den Lebenden sorgen (z. B. Poltergeist, Nebel des Grauens), vor ursprünglich friedlichen Haustieren, die unversehends zur Bestie bzw. zum Zombie mutieren (Cujo, Friedhof der Kuscheltiere) und ähnlichen Dingen. Heute wird der subtile Nervenkitzel eher durch Schreierei, Hysterie und jede Menge Filmblut ersetzt - und das ist auch der Grund, warum ich die neueren Horrorfilme nur seltenst mag.

Ein Horrorfilm aus dem Jahr 1976 hat mich tatsächlich zu meiner zweiten Geschichte "Beerdigungsmusik" in dem Buch "Düstere Schauergeschichten" inspiriert - in dem Fall war es der Film "Das Landhaus der toten Seelen" aus dem Jahr 1976 (im Original: Burnt Offerings) mit Karen Black und Oliver Reed in den Hauptrollen. In der o. g. Geschichte spielt insbesondere jener diabolisch grinsende Leichenwagenfahrer, der in "Burnt Offerings" ja auch kein Wort sagt, sondern nur breit, wissend und hinterlistig grinst, eine tragende Rolle. Auf der Seite retro-film.info wird der Film "Das Landhaus der toten Seelen" kurz rezensiert von einem Zuschauer und das, was er dort über den Leichenwagenfahrer - im Film dargestellt von Anthony James - schreibt, ist doch sehr zutreffend. Er sagt kein Wort in dem Film, aber sein Grinsen sagt alles. Besonders gruselig wirkt das Ganze noch dadurch, dass er seine Augen stets hinter einer Pilotensonnenbrille versteckt.


Anthony James als diabolisch grinsender Leichenwagenfahrer in "Burnt Offerings" - Quelle: retro-film.info

Dieser Leichenwagenfahrer ist wirklich dazu geeignet, einem Schauer über den Rücken zu jagen, ohne ein Wort zu sagen und ohne irgendwelche gruseligen Dinge zu tun, wie z. B. das Schwingen eines Schlachtermessers. Ich habe Uli schon in weiser Voraussicht davon abgeraten, sich den Film anzugucken, denn dieser Leichenwagenfahrer würde bei ihr bestimmt einen ähnlichen Grusel auslösen wie der Clown Pennywise :o). In meiner Geschichte "Beerdigungsmusik" tut er das selbstverständlich auch, ohne ein Wort zu sprechen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Gruseliger Horrorfilm

Gestern Abend wurde auf RTL um 22.15 Uhr der Horrorfilm "Drag me to Hell" als TV-Premiere gezeigt, auch noch sowohl von rtv und TV14 als besonders sehenswert empfohlen. Hm...wenn Programmredakteure schon mal was empfehlen, mehr fällt mir dazu auch nicht ein. Der Plot an sich war schon gruseliger als der Film an sich.

Darum ging es:
Die Bankangestellte Christine verweigert einer alten Zigeunerin eine Stundung ihres Kredits und wird daraufhin von der alten Dame mit einem Fluch belegt, sodass die junge Dame fortan mit Geistern und ähnlichen Fiesimatenten zu kämpfen hatte. Da hätte man was Gutes draus machen können - hätte man, hat man aber nicht.

Die ganze Story tropfte nur vor Klischees und hanbebüchenem Schwachsinn: Natürlich musste es ausgerechnet ne alte Zigeunerin osteuropäischer Herkunft sein, die Christine verflucht, denn wenn Zigeuner ihren Willen nicht kriegen, werden die ja natürlich sofort bösartig und verfluchen alles und jeden - vielen Dank für soviel rassistisches Klischee gegenüber Sinti und Roma, lieber Drehbuchautor. Da ja der Teufel sein Opfer holen wollte, wurde im Vorspann, der im Jahr 1969 in Pasadena spielte, natürlich auch in Bezug auf die Hölle jedes alte Klischee bemüht, das die katholische Kirche seit dem Mittelalter über die Hölle, das Fegefeuer und Teufel predigt, mit anderen Worten: So stellt sich wohl Klein-Erna die Hölle vor.

Auch die Eindimensionalität der Figuren war erschreckender als die Ekel-Szenen, in den Blut und Galle gespuckt wurde: Die Zigeunerin hatte natürlich kein Benehmen, sondern nahm die Reinigung ihres Gebisses in der Bank vor, dann hatte sie auch noch bräunliche, krallenartige Fingernägel und konnte hauptsächlich den einen Satz sprechen: "Sie haben mich beschämt!" Selten kreativ, wirklich. Der Chef von Christine und ihrem asiatischen Kollegen, die beide um den Posten der stellvertretenden Filialleitung konkurrierten, hatte das Ganze eigentlich mit seiner manipulativen Art zu verantworten, wurde aber komischerweise nicht verflucht und repräsentierte ansonsten das Klischee des geld- und machtgeilen Kleingeistes, der seine Angestellten gegeneinander nach dem Motto "Zuckerbrot und Peitsche" ausspielt. Christine mimte die unsichere Blondine, ihre Schwiegereltern in spe wollten natürlich als materielle, oberflächliche Kleingeister, dass ihr Sohn nicht Christine aus der Provinz heiratet, sondern eine angesehende Anwältin...soviel Eindimensionalität der Figuren findet man sonst nur in irgendwelchen Daily Soaps oder in Doku Soaps.

Nach ner halben Stunde habe ich auf WDR umgeschaltet, weil's dort fröhlicher und weniger ekelig-klischeehaft zuging. Der Regisseur dieses Horrorstreifens meinte wohl auch, dass jede Menge Filmblut, alte Klischees mit pseudoreligiösem Wahn und vermeintlich unterschwellige Sozialkritik für einen guten Horrorfilm reichen. Nee, leider nervten Handlung und die Eindimensionalität der Figuren recht schnell. Horrorfilme haben zwar eigentlich alle ekelige Stellen, aber das gestern Abend wurde mir sehr schnell zu eklig und auch zu klischeelastig. Auch Clio, Escort und Corsa, die sich den Film unten im Hof ansahen, waren mehr ent- als begeistert von dem Mist, den man dem Zuschauer auch noch als Juwel der Filmunterhaltung verkaufen wollte.  Die drei Autos haben nachher auch umgeschaltet. Die kleinen Stofftiere habe ich nach 15 Minuten ins Bett geschickt, denn das sollten die Kleinen nun wirklich nicht sehen müssen. Bis zum Ende haben wir uns das jedenfalls nicht angetan - Klischees findet man den ganzen Tag in den Medien, da muss man soviel Eindimensionalität nicht auch noch im Film haben.

Ich sehe ja gerne Horrorfilme, aber die neuen sind nicht annähernd so gut wie die alten aus den 60ern, 70ern und 80ern. Viel Blut, Kotze und anderer Splatter sind eben kein Garant für guten Grusel. In dem Kult-Horrorfilm "Der Exorzist" (1973) gab's zwar auch einiges an Filmblut und auch mal Gekotze, aber die Figuren waren vielschichtiger und der Film lebte auch nicht allein von diesen ganzen Ekelfaktoren, sondern auch von einer nervenzerreißenden Spannung auf psychologischer Ebene. Ähnlich war es auch beim Horrorfilm "Poltergeist" aus dem Jahr 1982, der eigentlich auch eher mit den Urängsten der Menschen spielte als mit blutrünstigem Splatter und klischeebeladenem, pseudosozialkritischem Mist.

Draußen auf'm Balkon konnte man im Norden eine Gewitterwolke sehen, die sich kilometerhoch in die Atmosphäre auftürmte, aber die nix an Gewittertätigkeit mitbrachte. Im Süden schien zunächst der Mond, der z. Zt. im zweiten Drittel steht, bevor er auch von dunklen Wolken temporär verdeckt wurde. Die Stimmung war gruseliger, geheimnisvoller und düsterer als der Scheiß, den RTL uns da als Kult servieren wollte.